Operation J – Akitsu Maru und die Japanische Landung auf Java

Das Original:

Vor 75 Jahren, am 1. März 1942 landete die Kaiserliche Japanischen Armee ihre Truppen auf Java, dies war gleichzeitig der erste Einsatz der neuen, sehr innovativen Akitsu Maru (あきつ丸) – einem Mehrzweckschiff mit wegweisenden Ansätzen.

Am 17. September 1939 bei Harima als Passagierfrachter für die Nippon Kaiun KK Linie auf Kiel gelegt, wurden die unfertige Akitsu Maru und ihr Schwesterschiff Nigitsu Maru im Juni 1941 von der Kaiserlichen Armee beschlagnahmt und zu „Amphibischen Angriffsschiffen Typ C“ (Mutterschiffe für Landungsboote) umgebaut. Hierfür wurden ein Gleissystem im Inneren des Rumpfes sowie eine Heckrampe installiert, über die die mitgeführten 27 Landungsboote vom Daihatsu-Typ (für 70 Mann oder einen leichten Panzer) schnell und einfach abgesetzt werden konnten. Im Gegensatz zum Schwesterschiff erhielt die Akitsu Maru außerdem ein schmales Flugdeck inklusive Aufzug, welches sie zum ersten Flugzeugträger der Armee machte – in dieser Rolle wurde sie zunächst aber wohl nicht genutzt. Geplant war eigentlich, mit leichten Flugzeugen die mitgeführten Landungstruppen zu unterstützen und dann auf dem Festland – im Idealfall einem gerade durch die Infanterie eingenommenen Flugfeld – zu landen. Ein Katapult oder Landeeinrichtungen besaß das Schiff genau so wenig wie einen echten Hangar, allerdings konnten unterhalb des Flugdecks etwa acht Flugzeuge verstaut werden. Die japanische Armee verfügte zu dieser Zeit jedoch weder über geschulte Piloten noch über geeignete Flugzeuge, um die vorgesehenen Aufgaben zu erfüllen, so wurden auf dem eigentlichen Flugdeck eine Vielzahl Artillerie- und Flugabwehrgeschütze und die damit verbundenen Mannschafts- und Lagerräume verteilt.

Die Akitsu Maru (143,7 m Länge über alles / 11.800 t Standard / 20 kn) lief am 24. September 1941 vom Stapel und wurde am 30. Januar 1942 in Dienst gestellt. Sie wurde umgehend nach Indochina entsandt und dort für die „Operation J“, die Invasion auf Java, eingeteilt. Am 18. Februar verließ sie in einem Konvoi aus 56 Truppentransportern Camrahn Bay in Richtung niederländische Kolonien. Akitsu Maru und 14 weitere Schiffe, die die 2. Japanische Infanteriedivision an Bord hatten, landeten die Truppen am 1. März 1942 erfolgreich bei Merak, ganz am westlichen Ende von Java. Der Rest des Konvois steuerte Punkte weiter östlich an, um die eingeschifften Soldaten anzulanden und die große Insel aus mehreren Richtungen einzunehmen (siehe Karte hier).

Nach diesem Einsatz war die Akitsu Maru bis Ende 1943 hauptsächlich als (Flugzeug-)Fähre im Einsatz, sie transportierte aber neben Fliegern auch Infanterie, Landungsboote, Panzer und Munition zu Stützpunkten im gesamten japanischen Einflussgebiet. Im November 1943 wurde sie von Torpedos der USS Crevalle (SS-291) getroffen, die sich aber allesamt als Blindgänger erwiesen und keine Schäden verursachten. Zum Jahreswechsel 1943/44 dürften dann die ersten Start- und Landeversuche mit Kayaba Ka-2 Tragschraubern (Autogyros) vorgenommen worden sein (siehe Video hier). Von Mitte April bis Ende Juni 1944 wurde Akitsu Maru daraufhin bei Harima zum „echten“ Geleitflugzeugträger umgebaut: das Deck wurde verbreitert und erhielt Fangseile; die Insel, der Schornstein und der Mast am Heck wurden versetzt um zusätzlichen Platz für landende Maschinen zu schaffen.

Die Kokusai Ki-76 „Stella“, ab Ende 1942 an der Front verfügbar, war ein leichtes Verbindungs- und Artilleriebeobachtungsflugzeug basierend auf dem Fieseler Storch. Ende 1943 wurden einige dieser Flugzeuge für den Trägereinsatz vorbereitet und mit Fanghaken versehen. Der Kayaba Ka-1/Ka-2 Autogyro basierte auf einem 1939 aus den USA importierten Kellett KD-1 und sollte ursprünglich dieselben Rollen wie die Ki-76 erfüllen. Beide Typen besaßen nützliche STOL-Eigenschaften, waren auch von weniger gut ausgebildeten Piloten zu beherrschen und konnten jeweils zwei 60 kg-Wasserbomben mitführen. Nach dem Umbau zum Flugzeugträger wurden der Akitsu Maru sieben „Stellas“ und zwei Tragschrauber zugeteilt, welche zur U-Boot-Jagd eingesetzt wurden, jedoch keine Erfolge verbuchen konnten.

  

Im Konvoi HI-81 von Japan nach Singapur, voll beladen mit 2.500+ Soldaten, 500 Pferden, 104 Kamikaze-Sprengbooten und Flugzeugen für die Philippinen, wurde die Akitsu Maru am Mittag des 15. November 1944 im Ostchinesischen Meer von Torpedos der USS Queenfish (SS-393) getroffen. Trotz des umfangreichen Geleitschutzes durch acht Eskorten, landgestützte Flugzeuge und den Träger Shinyo war es dem U-Boot gelungen, vier Torpedos abzufeuern von denen zwei das Schiff trafen. Die Explosion des Wasserbombenmagazins achtern setzten auf dem Armee-Träger eine Kettenreaktion in Gang und er sank innerhalb weniger Minuten. Nur 310 Überlebende wurden von den Eskorten aufgesammelt, 2.300 Menschen starben. Konvoi HI-81 wurde zwei Tage später von weiteren U-Booten attackiert, welche auch das Landungsboot-Mutterschiff Mayasan Maru (3.400+ Tote) und den Geleitträger Shinyo (1.100+ Tote) versenkten.

Die Modelle:

Da es mir bei diesem Artikel um den Landungsträger geht, seien die weiteren Schiffe des Konvois nur kurz erwähnt: CL Kuma (Tamiya), DD Fubuki (Pit-Road) und die Frachter Sakito Maru (Fujimi) und Bengal Maru (HP).

Mit Aoshimas neuer Akitsu Maru (ITEM 012284), die in zwei Bauzuständen (1942 / 1944) erhältlich ist, schließt sich wieder eine Lücke in Sammlungen japanischer Träger. Es scheint eigentlich verwunderlich, dass dieses wirklich interessante Schiff nicht schon früher von einem der großen Hersteller aufgegriffen wurde – so war es bisher lediglich in der Trägerversion als kostspieliger Resin-Bausatz von Fairy Kikaku und Frogfoot zu haben.

  

Der Bausatz selbst ist recht gut detailliert, hervorragend verarbeitet und überzeugt generell durch gute Passform. Nur einige kleine Lüfter kommen dem „Hangardeck“ in die Quere und sollten gekürzt oder gleich weggelassen werden. Die 20+ Stützen, die das Flugdeck halten, sind ein bisschen knifflig – das liegt aber am Design des Schiffs und ist beim Bausatz eigentlich gut gelöst worden. Den Aufzug sollte man entgegen der Anleitung erst nach Installation des Flugdecks einbauen, mit dem habe ich mich ein bisschen rumgeärgert.

  

Die vierteilige Luke der Heckrampe kann nach Wunsch offen dargestellt werden – im Inneren des Modells sind die Gleise für die Landungsboote angedeutet, sechs Daihatsus liegen dem Bausatz bei. Eine nette Möglichkeit für ein Diorama! Außerdem sind je zwei Ki-27 „Nate“ Jäger, Ki-76 „Stella“ und Ka-2 Autogyros enthalten – allerdings passen die letzteren beiden nicht zum frühen Bauzustand des Modells und die Ki-27 wurde höchstens transportiert. Ebenfalls im Set inkludiert sind zwei leichte Panzer, Typ 95 „Ha-Go“ – die „Landversion“ des bekannten Schwimmpanzers aus dem Tamiya „IJN Transport Set“. Hier scheint beim Maßstab jedoch ein Missgeschick passiert zu sein: die eigentlich winzigen Panzer (deutlich kleiner als ein M3 Stuart) sind völlig überdimensioniert und entsprechen eher der Größe eines „Königstigers“… hier wurde wohl aus Versehen ein 1/350 Modell in die Spritzform eingearbeitet.

  

Ich habe die hinteren beiden Geschütze gegen Flak von den Fujimi S-Klasse Frachtern ausgetauscht, da im Bausatz nur Artilleriegeschütze beiliegen, das Schiff aber über mindestens zwei 75 mm-Flak verfügte. Außerdem habe ich die hintere Mastspitze mit Plastikstäben nachgebaut, weil das Original viel zu filigran gespritzt und für mich nicht zu verarbeiten war. Ein bisschen schade finde ich auch, dass zwar die Winden und Mini-Lüfter unter Deck separate Einzelteile sind, die Positionen der Geschütze auf dem Flugdeck aber bereits fix angegossen sind. So lässt sich das Schiff leider nicht so einfach im Bauzustand Winter 1943/1944, als die Autogyros erstmals auf dem „bereinigten“ Deck getestet wurden, darstellen.

Bei den Decals im Bausatz (hauptsächlich kleine Hinomarus für die Flieger) gibt es eigentlich nichts zu beanstanden. Allerdings liegen unnötigerweise vier große dunkle Flächen bei, die für die Decktarnung verwendet werden sollen, diese entsprechen aber nur ansatzweise dem fotografisch dokumentierten Anstrich. Da für die anderen Farben des Tarnmusters sowieso vor dem Bemalen abgeklebt werden muss, fragt sich, warum nicht eine Sprühschablone statt dieser Decals beigefügt wurde. Die japanischen Zeichen am Heck, die es beim 1944er Bausatz gibt, wurden hier übrigens auch weggelassen. Falls das Schiff aus Geheimhaltungsgründen (vergleiche Shinshu Maru) ohne Kennung unterwegs war, sei dies natürlich verziehen.

Die wichtigsten Unterschiede beim 1944er-Bausatz

Kürzeres und breiteres Deck mit Fangseilen, weniger Bewaffnung, veränderte und nach außen versetzte Aufbauten, zum Schornstein versetzter Mast/Kran, um Landungen zu vereinfachen. Außerdem war Akitsu Maru in diesem Bauzustand Grün/Dunkelgrün angestrichen – hier passen dann auch die Ka-2 und Ki-76 als Bordflugzeuge aufs Deck! Die 1/350 Panzer und Ki-27 sind in diesem Bausatz nicht enthalten, jedenfalls nicht in der Kancolle-Version, die ich gebaut habe.

Fazit

Trotz kleinerer, vernachlässigbarer Mängel ein durchaus empfehlenswerter Bausatz eines einzigartigen und oft übersehenen Schiffes, das eine tolle Ergänzung für jede Sammlung darstellt und unterschiedlichste Diorama-Möglichkeiten bietet. Die mitgelieferten Fahrzeuge sind zwar nett, passen bis auf die Landungsboote aber eigentlich nicht dazu. Bei ca. 30-35 Euro Kaufpreis ist das aber Jammern auf hohem Niveau. Den Bausatz gibt es auch als „Super Detail“ Version mit Ätzteilbogen sowie als „Kankolle Edition“ mit Sammelkarte und Zubehör.

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Waterline Treffen in Laupheim 2015

Am 17.10.2015 fand in Laupheim wieder das alljährliche „Waterline Treffen“ der Modellmarine statt. Einen ersten Teil der Fotos, die auch einige meiner neuen Modelle zeigen, findet ihr hier. Ich werde die neuen Modell nun nach und nach hier auf dem Blog vorstellen und entschuldige mich für die lange Wartezeit!

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The Modellmarines’ annual „Waterline Meeting“ took place October 17th in Laupheim, Germany. Please visit this link to see the first part of the photo gallery which features – among others – some of my new models. I will upload my new ships to my blog bit by bit – and I want to apologize for the delay!

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Ormoc Bay, TA-5 und die Yasoshima

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Geschichtlicher Hintergrund

Am 23. November 1944 liefen drei japanische Landungsschiffe und ein U-Jäger von Manila in Richtung Ormoc Bay, wo sich der Haupthafen der Insel Leyte befindet, aus. An Bord befanden sich Munition und Truppen – dringend benötigte Verstärkung für die japanischen Soldaten auf Leyte, die durch die umfangreichen alliierten Landungen seit Oktober stark unter Druck standen. Die vier Schiffe bildeten die erste Gruppe von Konvoi TA-5.

TA-5 war, wie der Name schon erahnen lässt, der fünfte Konvoi seiner Art in Richtung Leyte. Seit dem 23. Oktober 1944 hatten die Japaner versucht, mit Verstärkungskonvois unterschiedlicher Größe und Zusammenstellung bis nach Ormoc Bay, auf der Südwestseite von Leyte, durchzubrechen. Die Ergebnisse waren wenig zufriedenstellend; vielen Schiffen von TA-1, -2, und -4 gelang es zwar, bis an ihr Ziel zu kommen und ihre Ladung sicher an Land zu bringen, eine große Anzahl der japanischen Transporter und ihrer Eskorten wurde allerdings auf dem Rückmarsch von den flächendeckend operierenden US-Trägerflugzeugen vernichtet – TA-3 war ein totaler Misserfolg, da der gesamte Konvoi mit Ausnahme eines einzigen Zerstörers vor Erfüllung des Missionsziels vernichtet wurde.

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Nach umfangreichen alliierten Luftangriffen auf Manila Bay am 13. November, denen der Kreuzer Kiso, drei Zerstörer und sieben Frachter zum Opfer fielen, wurden die TA-Konvois vorerst eingestellt und alle in der Gegend operierenden Kriegsschiffe nach Brunei abgezogen. Auf Leyte verbuchten amerikanische Truppen in der Folge stetige Landgewinne gegen die ausgezehrten Japaner, und so wurden die Nachschub-Konvois nach einer knapp zweiwöchigen Unterbrechung wieder aufgenommen. Allerdings standen nach dem Abzug der größeren Einheiten nur noch die Geleitzerstörer Take und Kuwa sowie kleinere Hilfsschiffe als Eskorten für die Truppen- und Nachschubtransporte zur Verfügung.

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Die erste Gruppe von TA-5 überstand die Nacht auf See und versteckte sich bei Tagesanbruch des 24. November bei Masbate, etwa auf halber Strecke zum Ziel, wurde aber kurz nach Mittag von einer Gruppe P-40 der US Airforce entdeckt und angegriffen. Die drei Landungsschiffe T111, T141 und T160 wurden auf den Strand gesetzt aber von den Fliegern in Brand geschossen, sodass die geladene Munition explodierte und die Schiffe zerstörte. Einzig der U-Jäger Ch-46 überstand den Angriff und fuhr, nach der Aufnahme von Überlebenden, zurück in Richtung Norden.

An diesem verhängnisvollen 24. November 1944 startete auch die zweite Gruppe von TA-5 mit den schnellen Transportern T6, T9 und T10 sowie dem Geleitzerstörer Take von Manila nach Ormoc Bay. Auch sie wurde am folgenden Tag von Flugzeugen der US-Taskforces TF38.1 und TF38.2 aufgespürt, bevor sie ihr Ziel erreichen konnte. T6 und T10 wurden versenkt und T9 beschädigt – Take und der angeschlagene Transporter traten daraufhin die Flucht an und schafften es zurück nach Manila. Weniger Glück hatte der U-Jäger Ch-46, der die Attacken des Vortags überstanden hatte und sich noch auf dem Rückmarsch befand. Er wurde im Verlauf der Gefechte entdeckt und ebenfalls versenkt.

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Im Norden, westlich von Luzon, spielte sich ein ähnliches Szenario ab. Das Flaggschiff der japanischen Transport-Einheit Yasoshima war zusammen mit den drei Landungsschiffen T113, T142 und T161 aus Manila ausgelaufen und in nördlicher Richtung unterwegs. Flugzeuge der TF38.3 entdeckten den Konvoi südwestlich von Santa Cruz, Luzon, und stürzten sich darauf. Alle drei Landungsschiffe wurden schwer getroffen und versenkt. Auch die Yasoshima wurde vom Torpedo einer Grumman TBF Avenger am Heck erwischt und sank. Von den über 350 Besatzungsmitgliedern überlebten nur etwa Hundert den Untergang.

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Bis zum 11. Dezember 1944 machten sich noch vier weitere TA-Konvois (6 bis 9) in Richtung Ormoc Bay auf und landeten unter schweren Verlusten Truppen und Nachschub an. Die Soldaten, insgesamt hatten es etwa 45.000 Mann bis Ormoc geschafft, konnten gegen den amerikanischen Vormarsch auf Leyte allerdings nichts mehr ausrichten – die Stadt Ormoc fiel am 12. Dezember, nur einen Tag nachdem der letzte Konvoi TA-9 Japanische Marines und Amphibienpanzer erfolgreich angelandet hatte. Insgesamt kosteten die TA-Operationen das Kaiserreich 16 Frachtschiffe (73.651t insgesamt), einen leichten Kreuzer, acht Zerstörer, zwölf Transporter und Landungsschiffe sowie drei kleinere Einheiten.

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Die Originale

Kreuzer 2. Klasse Yasoshima (Ex-Ping Hai); 110,0m / 2.500t / 22kn

Der leichte Kreuzer Ping Hai, ein japanischer Entwurf, wurde bereits 1931 bei der Kiangnan Dock Co. in Shanghai für die chinesische Marine auf Kiel gelegt, aber nach Verzögerungen und Baustopps (v.a. durch chinesisch-japanische Spannungen nach dem Mukden-Zwischenfall) erst am 18. Juni 1936 in Dienst gestellt. Das Schwesterschiff Ning Hai war bereits 1930-32 bei der japanischen Werft Harima Zosensho K.K. für die Chinesen gebaut worden. Die beiden Schiffe waren die größten Kriegsschiffe in der chinesischen Flotte. Ning Hai verfügte sogar über einen Hangar für Wasserflugzeuge – eines der Features, das beim Bau der Ping Hai nach den Erkenntnissen aus dem Tomozuru-Zwischenfall 1934 eingespart wurde.

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 Beide Kreuzer wurden im August 1937 zur Verteidigung von Nanking beordert und fuhren auf dem Yangtse nach Kion. Dort wurden sie am 23. (Ping Hai) und 25. September (Ning Hai) von japanischen Marinefliegern der Kaga durch viele Treffer mit kleineren Bomben versenkt. Da beide Schiffe in flachem Wasser zu liegen kamen, wurden die Wracks in der Folge von den Japanern erobert, gehoben und nach Sasebo respektive Harima überführt. Dort wurden sie repariert und als Schulschiffe in Dienst gestellt, aber wegen des geringen Nutzens, den die Japaner in den nur bedingt hochseetauglichen Kreuzern sahen, als Wohnschiffe verwendet. Im Herbst 1943 beschloss die IJN dann wegen der sich verschlechternden Lage Japans, beide Schiffe für Eskort- und Versorgungsdienste umzurüsten und der ehemalige Kreuzer Ning Hai diente, nach umfangreichen Umbauarbeiten in Kure, ab dem 10. Juni 1944 als Eskorte Yasoshima (auch Yasojima geschrieben). Da die beiden Schiffe für Eskorten verhältnismäßig groß waren, sollten sie gleichzeitig als Tender für Wasserflugzeug-Basen fungieren. Zu diesem Zweck waren sie mit einem Kran, Laderäumen für Bomben und Ersatzteile, sowie eigenen Lastwagen und Landungsbooten ausgerüstet. Die Bewaffnung bestand zunächst aus zwei 12cm-Kanonen, fünf 25mm-Drillings-Flak und Wasserbomben – zudem verfügten sie über Radar und Sonar. Im August 1944 erhielt die Yasoshima zusätzlich vier 25mm-Zwillings-Flak und eine Vielzahl von 25mm- und 13mm-Einzelgeschützen.

Am 25. September 1944 wurde das Schiff als Kreuzer 2. Klasse reklassifiziert und Flaggschiff des neu ins Leben gerufenen  TransRon1 (1. Transport Squadron, KAdm. Soji Akira), dem zu diesem Zeitpunkt drei schnelle Angriffstransporter der T1-Klasse und sechs Landungsschiffe der T101/103-Klasse zugeteilt waren. Außerdem erhielt die Yasoshima in Sasebo im Hinblick auf ihre neue Rolle als Flaggschiff zusätzliche Kommunikationseinrichtungen. Nach Abschluss der Umbauten machte sie sich am 15. November auf den Weg in Richtung Philippinen, wo sie zehn Tage später versenkt wurde.

Landungsschiffe SBT-Klasse (T103); 80,5m Lüa / 950t / 14kn

Die über 60 Landungsschiffe der SBT-Klasse sind eine Weiter- bzw. Parallelentwicklung der sechs Einheiten umfassenden SBD-Klasse (T101), die seit dem Frühjahr 1944 bei der japanischen Marine im Einsatz waren. Während letztere mit Dieselmotoren (SB Diesel) bestückt waren, wurden bei der T103-Klasse Dampfturbinen (SB Turbine) verbaut. Die fertigen Schiffe wurden zwischen der Marine und der Armee aufgeteilt, wobei die Armee einen Teil dieser Einheiten wieder an die Marine retournierte – wohl weil sie mit dem Handling der Schiffe nicht zufrieden war. Die überlebenden Einheiten wurden nach Kriegsende intensiv im Repatriationsdienst eingesetzt und bis auf wenige Ausnahmen gegen Ende der 40er Jahre abgewrackt. T137 und T172 dienten noch einige Jahre bei der russischen und chinesischen Marine als DT-55 respektive Lu Shan.

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Die Landungsschiffe, die auf deutschen Entwürfen basieren sollen, verfügten über eine Bugrampe zur direkten Anlandung von Fahrzeugen und Truppen, die auf zwei Decks transportiert wurden. Sie hatten eine Nutzlast von ca. 220 Tonnen und boten Platz für bis zu 14 leichte Panzer.

Die drei gezeigten Einheiten waren bei ihrem Untergang quasi brandneu – allesamt erst im Sommer 1944 auf Kiel gelegt und kurz vor der Einteilung zu ihrer letzten Mission fertig gestellt:

T113: Osaka Zosen, Oktober 1944

T142: Kawanami Kogyo, November 1944

T161: Hitachi Mukajima, Oktober 1944

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Die Modelle

Yasoshima

Das Modell der Yasoshima – der Bausatz ist von Koubou Hiryuu (A31) – hat schon einige Jahre oder eher Jahrzehnte auf dem Buckel, was man ihm auch anmerkt. Wie bei vielen Bausätzen dieses kleinen japanischen Herstellers erfordern die Teile einiges an Nacharbeit, was die Sache für einen OOB-Bauer wie mich nicht leicht macht.

In den Jahren seit Erscheinen dieses Bausatzes sind Historiker zu neuen Erkenntnisse über die ehemals chinesischen Kreuzer gekommen und die Annahmen zu Aussehen und Ausrüstung der Schiffe wurde nicht unerheblich revidiert. Im Jahr 2013 brachte Koubou-Hiryuu daraufhin einen korrigierten Bausatz heraus, in dem das „neue Design“ umgesetzt wurde. Das von mir gebaute Modell beruht wahrscheinlich auf der Skizze in „Warships of the Imperial Navy 1869-1945“ (Jentschura/Jung/Mickel, 1977, Seite 113), wo sogar noch Torpedorohre als Teil der Bewaffnung angegeben sind.

Der neue Bausatz richtet sich nach den Zeichnungen in „Japanese cruisers of the Pacific war“ (Lacroix/Wells, 1997 , Seite 692) und entspricht viel mehr der Optik japanischer Eskorten. Außerdem sind hier die Daihatsu-Landungsboote und Lastwagen vorgesehen, die auf Deck mitgeführt wurden. Einen Bildbeweis für das genaue Aussehen des Schiffes sucht man aber nach wie vor vergeblich – eine amerikanische Serie undeutlicher Fotos des sinkenden Ex-Kreuzers, die ebenfalls im genannten Buch auf Seite 694 abgedruckt ist, gibt hier leider wenig Aufschluss.

Mein Exemplar der „neuen“ Yasoshima, das ich eigentlich noch für diesen Artikel fertigstellen wollte um die Bausätze gegenüber stellen zu können, hat leider einen fiesen „Bananen-Rumpf“ – daher habe ich einen Vergleich der beiden Bausatz-Anleitungen beigefügt. Die Unterschiede in Auf- und Seitenansicht sind offensichtlich.

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SBT-Klasse

Die drei Landungsschiffe habe ich durch Abgießen einer modifizierten T101-Klasse von Tamiya (WLS 501) selber hergestellt. Da ich erst wenig Erfahrung mit Resin-Abgüssen habe, mögen die Schiffe ein wenig grob anmuten – ich bin damit für den Anfang ganz zufrieden.

Das Tamiya-Modell aus den späten 70er-Jahren ist zwar mittlerweile schon als PE-Komplettmodell von Rainbow erhältlich oder kann mit Ätzteilen anderer Hersteller aufgewertet werden, bietet für den Umbau auf die T103-Klasse aber immer noch eine gute Basis. Hierfür muss vorne an der Backbordseite eine Plattform für 25mm-Flak angebracht und die Anbauten an Steuerbord leicht modifiziert werden. Außerdem wird der sechseckige Schornstein durch einen höheren, runden Schornstein (ähnlich unterschiedlich wie bei den C- und D-Eskorten) ersetzt. Dieser sitzt bei der T103-Klasse näher an der Brücke, sodass dahinter eine Plattform für weitere 25mm-Einzelflak angebracht werden kann. Die später in Dienst gestellten Schiffe besaßen zusätzliche Flugabwehrkanonen – hauptsächlich 25mm Einzelgeschütze, die über das ganze Deck verteilt waren. Bei vielen Schiffen wurden diese noch durch Zwillings- und/oder Drillingsflak (vor der Brücke bzw. hinter dem 8cm-Geschütz) und Wasserbomben ergänzt. Detaillierte Angaben zur Zusammenstellung der Bewaffnung lassen sich nur für wenige Schiffe finden – die genaue Ausrüstung bleibt bei vielen Schiffen dieser Klasse Spekulation.

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Operation Hailstone – Der Angriff auf Truk (1)

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Das Original:

Das Truk-Atoll, Teil der Karolinen und etwa auf halber Strecke zwischen den Philippinen und Midway gelegen, diente der Japanischen Marine seit dem ersten Weltkrieg als vorgeschobene Marine-Basis. Das riesige Atoll, das aus 98 Inseln besteht und sich über mehr als 2.000 km² erstreckt, war von den Japanern über Jahrzehnte umfangreich ausgebaut und befestigt worden. Zeitweise waren hier über 40.000 japanische Marine-Soldaten stationiert, die Basis war Dreh- und Angelpunkt für die japanischen Bewegungen im Südpazifik.

Als amerikanische Aufklärer die Basis Anfang Februar 1944 erstmals überflogen, staunten sie nicht schlecht – lag in Truk doch eine ganze Armada kaiserlicher Kriegsschiffe. Neben Schlachtschiffen und Flugzeugträgern identifizierten Nachschubdepots und Luftbasen die Lagune als lohnendes Angriffsziel.

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Nicht einmal zwei Wochen nach den Aufklärungsflügen hatten die US-Admirale Mitcher und Spruance eine schlagkräftige Einsatzgruppe aus neun Trägern, sechs Schlachtschiffen, 10 Kreuzern und 28 Zerstörern zusammen gestellt, die die Basis in der „Hailstone“ betitelten Operation vernichten sollten. Die Träger führten über 500 Kampfflugzeuge mit, zusätzlich zogen Überwassereinheiten und U-Boote ein engmaschiges Netz rund um die Basis, um flüchtende Gegner stellen zu können.

Dem japanische Oberkommando war bewusst, dass Truk nach dem Verlust der Marshall-Inseln eines der nächsten Ziele der „Island hopping“ Kampagne der Amerikaner war. Da ein Angriff auf die Basis unmittelbar bevorstehen musste, wurden alle wichtigen Kriegsschiffe in den Tagen vor dem Angriff evakuiert und in Konvois Richtung Norden abgezogen. Dennoch verblieben viele kleinere Einheiten und Frachter vor Ort.

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Als am Morgen des 17. Februar 1944 amerikanische Flieger über Truk auftauchten, stießen sie auf wenig Gegenwehr. Die ersten Angriffswellen konzentrierten sich auf Verteidigungs- und Hafenanlagen, sowie die Versenkung ankernder Schiffe und richteten große Schäden an. Vereinzelt auftauchende japanische Abfangjäger stellten keine große Bedrohung für die Angreifer dar – die meisten japanischen Flugzeuge, viele von ihnen neu eingetroffen und teilweise noch nicht zusammen gebaut, wurden bereits zu Beginn der Operation am Boden zerstört. Da die aus der Lagune flüchtenden Kriegsschiffe, unter ihnen auch die leichten Kreuzer Naka und Katori, versenkt worden waren und keine weiteren großen Marineeinheiten in der Lagune lagen, konzentrierten sich die amerikanischen Angriffe im späteren Verlauf vor allem auf die Zerstörung von Flugfeldern und Infrastruktur.

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Nach dem ganztägigen Bombardement und radargestützen Luftangriffen bei Nacht, zeigte die Aufklärung am Morgen des 18. Februar, dass die japanische Luftverteidigung praktisch außer Gefecht gesetzt war. Die Bombardements konzentrierten sich daher auf die nachhaltige Zerstörung der japanischen Anlagen auf den Inseln und die Versenkung der noch verbliebenen Schiffe in der Lagune. Verteilt auf die beiden Tage rollten 30 Angriffswellen aus jeweils 150 Flugzeugen im Stundentakt über die japanischen Kräfte und Einrichtungen. Nach getaner Arbeit zogen sich die Einheiten der TF.58 in Richtung Marshall-Inseln zurück.

Insgesamt wurden an den zwei Angriffstagen zwei japanische Kreuzer, fünf Zerstörer, vier militärische Hilfsschiffe und 31 Transportschiffe versenkt. Viele weitere Schiffe wurden teils schwer beschädigt. Hinzu kamen an die 300 – größtenteils am Boden zerstörte – Kampfflugzeuge. Die amerikanischen Verluste waren verhältnismäßig minimal; 25 Flugzeuge fielen bei den Angriffen vor allem der japanischen Flak zum Opfer, außerdem wurde der Flugzeugträger USS Intrepid von einem japanischen Torpedobomber beschädigt und musste zurück nach Pearl Harbour beordert werden.

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Mit „Operation Hailstone“ gelang es den USA, einen der wichtigsten feindlichen Stützpunkte außer Gefecht zu setzen. Truk wurde zwar nicht von amerikanischen Landungseinheiten eingenommen, aber so schwer getroffen, dass die Lagune nicht mehr als Ankerplatz genutzt werden konnte. Auch die japanischen Flugfelder waren praktisch unbenutzbar. Für die Amerikaner war nun der Weg frei um die Inselgruppe der Marianen anzugreifen, die so wichtige japanische Stützpunkte wie Guam, Saipan, Tinian und Palau beheimatete. Heute ist Truk wegen der vielen Schiffswracks, die sich in relativ geringen Wassertiefen befinden, einer der beliebtesten Plätze für Wracktaucher weltweit.

Original-Aufnahmen vom Angriff gibt es hier: http://www.youtube.com/watch?v=I-qqTVsrxb4


Das Diorama:

Mein Diorama zeigt einen Teil von Truk am Tag vor den Angriffen – fast alle großen Kriegsschiffe haben die Lagune bereits verlassen, Frachter und Hilfsschiffe liegen noch vor Anker. Die Positionen der Schiffe sind willkürlich gewählt.

Die Heian Maru, ein ehemaliger Luxuskreuzer, der seit 1941 als U-Boot-Tender im Dienst war, wehrte sich während der Angriffe am ersten Tag mit Ausweichmanövern und wurde nur geringfügig beschädigt. Allerdings wurde sie in der Nacht von mehreren Bomben getroffen und in Brand gesetzt. Die Japaner geben das Schiff am frühen Morgen des 18. Februar auf, das brennende Wrack wurde wenige Stunden später von einem amerikanischen Torpedobomber versenkt.

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Der leichte Kreuzer Naka hatte die Basis kurz vor Beginn des Luftangriffs verlassen um dem der Agano, die am 16.2. von USS Skate (SS-305) torpediert worden war, zur Hilfe zu eilen. Nur 35 Seemeilen westlich von Truk wurde das Schiff allerdings entdeckt und von amerikanischen „Helldivers“ und „Avengers“ mit Torpedos und Bomben versenkt.

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Unter den 31 Frachtschiffen und Tankern, die den Navy-Piloten zum Opfer fielen, befanden sich auch die Gosei Maru und Matsutani Maru, Schiffe der Amakasu Maru- bzw. der daraus entstandenen „1D Wartime Standard“ Klasse.

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Mehrere alte Zerstörer fielen den Angriffen der Flugzeuge ebenfalls zum Opfer: die Fumizuki (Mutsuki-Klasse) bekam einen Torpedotreffer ab und sank am darauffolgenden Tag, trotz aller Bemühungen, das Schiff zu halten. Auch die Tachikaze (Minekaze-Klasse), die am 4. Februar direkt südlich von Truk auf Grund gelaufen war und seitdem dort festsaß, sank nach mehreren „strafing runs“ und einem Torpedotreffer in den Maschinenraum. Eines der wenigen großen MTBs der japanischen Marine, Gyoraitei No. 10 (T-51a Klasse), befand sich in der Lagune und wurde ebenso vernichtet. Der U-Jäger CH-29 lief kurz vor Beginn der Angriffe aus der Laguna aus, um einen japanischen Konvoi zu unterstützen, wurde aber entdeckt und versenkt.

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Einige der gezeigten Schiffe überstanden die Angriffe mit mehr oder weniger starken Beschädigungen. Die U-Boote I-10, Ro-36 und Ro-42 wurden zwar attackiert und teilweise leicht beschädigt, konnten die Lagune aber verlassen um den US-Flugzeugträgern (ergebnislos) nachzusetzen. Das Reparaturschiff Akashi, das der Japanischen Flotte in Truk außerordentlich wichtige Dienste geleistet hatte, wurde bei den Angriffen ernsthaft beschädigt, konnte aber nach Palau entkommen und wurde dort 6 Wochen später von Flugzeugen der TF.58 versenkt. Das Das Munitions- und spätere Forschungsschiff Soya, das heute noch als Museumsschiff in Tokyo liegt, entkam den US-Flugzeugen im ersten Moment, lief dabei aber auf ein Korallenriff auf und wurde später ebenfalls bombardiert, aber nicht versenkt. Patrouillenboot P-34 (Ex-Susuki, Momo-Klasse) lag seit März 1943 in Truk, nachdem es bei einer Kollision beschädigt worden war – es überstand die „Operation Hailstone“, wurde aber im Juli 1944 in der Lagune durch Bomber vernichtet.

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Die Modelle:

Heian Maru, U-Boot Tender (Hasegawa)

Akashi, Reparaturschiff (Pit-Road)

Naka, leichter Kreuzer (Aoshima)

Gosei Maru, Frachter (NIKO Models, Umbau aus Choun Maru)

Matsutani Maru, Frachter (NIKO Models, Umbau aus Choun Maru)

Soya, Frachter (HP Models)

Fumizuki, Zerstörer (Pit-Road)

Tachikaze, Zerstörer (Pit-Road)

I-10, Ro-36 & Ro-42, U-Boote (Pit-Road)

P-34, Patrouillenboot (Hasegawa, Umbau aus Momo)

T-10, Motortorpedoboot (PTDY)

CH-29, U-Jäger (Tamiya)

CHa-20, Aux. U-Jäger (Hasegawa, Umbau aus Pa-1)

+ weiteres Material von Loose Cannon, Skytrex, L’Arsenal, u.v.m.

Alle Schiffe mit Revell-Farben bepinselt und gezogenem Plastik-Rod getakelt. Das Wasser ist Raufasertapete auf Holzplatte, mit Sprühdosen lackiert. Die Inseln sind von Amera bzw. selbst gemacht und mit Heki-Laub beklebt. Der zweite Teil des ursprünglich für Laupheim 2014 geplanten Dioramas ist bereits in Arbeit und zeigt dann weitere Opfer der amerikanischen Angriffe.

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